Bodetal - Gastbeitrag von Hartmut Gräfenhahn

Hartmut Gräfenhahn am 08.05.2019:

Bin ich in den Bergen, geht mein fotografischer Blick nicht nur nach oben, sondern auch nach ganz unten. In den Tälern fließt in der Regel ein Bergbach. Und wenn dieser nicht durch Menschenhand verändert wurde, zeigt sich oft eine archaische Wildheit. Nun ist es von Berlin leider etwas weit bis in die Alpen, aber auch im relativ nahen Harz finden sich die wilden und für mich sehr fotogenen Bergbäche.

Das Bodetal bei Thale ist ein solches wildes Bergbachtal. Hier hat man das (positive) Kunststück fertig gebracht, ein Naturkleinod behutsam touristisch zu erschließen. Nur der Eingang zum Bodetal hat Disneylandcharakter.

Am ersten Maiwochenende diesen Jahres war ich nun mit Mario und fünf weiteren Mitfahrern zur einem fotografischen Tagesausflug angereist. Meine Erwartungen und Erinnerungen von einem Besuch von vor ca. 20 Jahren wurden mehr als erfüllt. Technische Unzulänglichkeiten erschwerten jedoch meine Fotografie. Neben meinen beiden Fujis, dem 55-200, Stativ und ND-Filter hatte ich noch ein älteres Tokinazoom 12-24 mm aus Nikonzeiten, montiert an einen Fujibajonettadapter, dabei. Letzterer erwies sich als nicht lichtdicht. Zudem ließ die Schärfeleistung des 12-24 zu wünschen übrig. Eine adapterbedingte Dezentrierung? Sei es drum, die fotografische Ausbeute war geschmälert.

Bodetal Thale Hartmut Gräfenhahn

Noch kurz zu meinen Bildern. Das Thema flauschige Bergbachfotografie ist total abgegriffen. Fotografien von Bergbächen in Fotozeitschriften, Bildbänden und im Internet sind sehr häufig so fotografiert. Aber ich mag das sehr ..... .

Bodetal Thale Hartmut Gräfenhahn

Bodetal Thale Hartmut Gräfenhahn

Bodetal Thale Hartmut Gräfenhahn

Und dann hat noch Alzheimer zugeschlagen. Ich hatte in einem Anfall von Kreativität geplant, meine Bergbachfotografie mit einem ins Bild gehaltenen kleinen Spiegel zu variieren. Doch der Spiegel wurde vergessen und im dunklen Seitenfach meiner Fototasche ohne Einsatz einen ganzen Tag durch die Gegend getragen.

Hartmut Gräfenhahn



Anmerkung der Linsen-Suppe:

Besten Dank an Hartmut für die Fremdkost in der Linsen-Suppe. An diesem Tag gab es wohl eine kollektive Amnesie. Christian hatte sein Stativ vergessen. Ich hatte extra die wasserdichte Kamera meiner Tochter eingepackt, um an seichteren Stellen ein paar Bilder auf Höhe der Wasserlinie zu machen. Natürlich habe auch ich diese den ganzen Tag ohne weiteren Einsatz durch das Bodetal in meinem Rucksack geschleppt. ;-)

Es soll unscharf sein!

Scharfe Bilder machen kann ja mittlerweile Jeder! Es bedarf heute keiner hochpreisigen Profi-Technik, um Fotos zu machen, die auch auf den zweiten Blick knackig und detailreich sind.

Nach ein paar Erkältungstagen war ich froh, am Wochenende wieder etwas frische Luft schappen zu können. Mit befreundeten Fotografen aus Berlin sollte es in das Harzer Bodetal gehen. Dort wollten wir Naturaufnahmen machen. Die obligatorisch unscharfen und verwaschenen Bilder des Wasserlaufes sollten hier natürlich nicht fehlen. Obwohl ich diese Bilder sehr gern ansehen, habe ich stärkere Wasserströmungen auf diese Weise noch nie abgelichtet. Zwar ist die Elbe öfter mal im Bild, aber die Wasserbewegung ist doch eher "gemütlich" und weniger "spektakulär".

So soll es aussehen: Bodetal Harz Thale Bode Langzeitbelichtung iPhone SE

Etwas Hintergrundwissen zur Erstellung solcher Bilder für Neueinsteiger:

Die Aufnahmen entstehen mit einer längeren Belichtungszeit. Während die sich nicht bewegenden Felsen scharf abgebildet werden, verändert sich das Wasser durch das dynamische Fließen und der sich verändernden Lichtreflexionen im Laufe der Belichtung. Jeder von Euch hat sicherlich schon einmal ein Foto gemacht, auf dem eine sich bewegende Person vor einem scharfen Hintergrund unscharf ist. Wir wollen jetzt bewusst dieses verschwommene Wasser!

Damit dieser Effekt auch deutlich auftritt, sind Belichtungszeiten von mehreren Sekunden notwendig. Dafür ist ein Stativ unverzichtbar. Längere Belichtungszeiten sind an besseren Kameras und verschiendenen Smartphone-Apps einstellbar. Die lange Belichtungszeit sorgt aber auch für zu viel Licht auf dem Sensor. Das Bild wird überbelichtet und ist zu hell oder im schlimmsten Fall komplett weiß. Durch das Schließen der Blende kann man die Lichtmenge reduzieren. Dies reicht tagsüber aber noch immer nicht für eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden. Für diesen Zweck kommen ND-Filter, auch Graufilter genannt, zum Einsatz. Es handelt sich um eine "Sonnenbrille" für die Kamera. Eine getönte Scheibe als aufgeschraubter Filter vor dem Objektiv läßt nur noch einen Bruchteil des Lichtes durch. Und auf diese Weise sind je nach Stärke des ND-Filters auch sehr lange Belichtungszeiten möglich.

Wenn man von aufwendigen Filterkontruktionen einmal absieht, werden zu bezahlbaren Preisen meist runde Objektivfilter angeboten. Für unterschiedliche Objektivgrößen und Durchmesser sind jeweilige Filter verfügbar. Ohne Filteradapter hat man dann schnell mal eine ansehnliche Menge an UV-Filtern, Pol-Filtern und ND-Filtern für unterschiedliche Objektive in der Fototasche.

Bei leicht bedecktem Himmel, also sehr schönen Lichtbedingungen, ging es in's Bodetal nach Thale.

Bodetal Bode Harz Thale Sigma DP1S

Ich habe zunächst mit der SIGMA DP1S gearbeitet und diese auch einige Male auf ein Stativ gestellt. Da sich an der Kompaktkamera mit ausfahrendem Objektiv ohne Umwege kein ND-Filter befestigen läßt, zeigt sich hier ohne ND-Filter die Grenze der Belichtungszeit durch Schließen der Blende. Die Belichtungszeiten blieben auch beim Wechsel auf ISO50 und der maximalen Blende 11 jeweils unter einer Sekunde. Für unser Ziel ist dies noch zu kurz.

Bodetal Bode Harz Thale Sigma DP1S

Bodetal Bode Harz Thale Sigma DP1S

Auch an diesem Tag lieferte die SIGMA Baujahr 2009 ordentliche Bilder ab. Die Belichtungszeiten blieben für die erwünschten "Flauschbilder" aber zu kurz. Ich habe deswegen nur noch ein paar "normale" Aufnahmen mit der Kamera gemacht.

Bodetal Bode Harz Thale Sigma DP1S

Bodetal Bode Harz Thale Sigma DP1S

Bis hierhin, vom ersten Beispielbild einmal abgesehen, stammen alle Bilder aus meiner Sigma DP1S:

Doch wer jetzt denkt, dass ich für die kommenden "Flauschbilder" das große Besteck mit Objektiven und ND-Filtern eingesteckt habe, der irrt. ;-)

Zum Einsatz kam ... mein iPhone!!!

Erst einmal die Bilder, dann die Erklärung:

Bodetal Bode Harz Thale iPhone SE

Bodetal Bode Harz Thale iPhone SE

Bodetal Bode Harz Thale iPhone SE

Bodetal Bode Harz Thale iPhone SE

Die Bilder sehen doch ganz gut aus. Oder?

Ich hatte einfach keine Lust, das zusätzliche Glas mitzuschleppen und vor Ort dann permanent zu wechseln. Aus diesem Grund habe ich das iPhone auf das Stativ gestellt und mit der APP "Slow Shutter" aufgenommen. Technisch gesehen kann das iPhone hier nicht mit verstellbaren Blende oder einem vorhandenen ND-Filter dienen. Vielmehr nimmt das iPhone ein Video auf. Die Einzelbilder des Videos werden dann verrechnet und bringen den erwünschten verwaschenen Effekt.

Das iPhone macht also doch unscharfe Aufnahmen. Ich habe es immer gewusst! ;-)

Prag - Sigma DP1S Nachreiche

Falls es doch noch jemanden interessiert: Die Sigma DP1S blieb in Prag fast die ganze Zeit in der Tasche. Nur wenige Mal sah sie Licht. Doch wenn einmal losgelassen, zaubert der Foveon-Sensor sehr plastische Bilder mit typischem Kontrast und Farben.

Prag Wenzelsplatz Sigma DP1S

Prag Kafka Kopf Sigma DP1S

Aufgenommen mit meiner Sigma DP1S:

Fujifilm X10 in Prag - JPEGs reichen

Als es über Ostern nach Prag ging, stand nunmehr eine Fujifilm X10 zur Verfügung. Zusammen mit der X100 bildet sie ein sinnvolles und interessantes Gespann. Ich habe mich aber gegen das besagte Set entschieden. Mit der größeren X100 in der Tasche hätte ich wahrscheinlich viel zu selten zur kleinen Schwester X10 (oder ist es der Bruder?) gegriffen.

Als kompakte und sensortechnische Alternative habe ich die Sigma DP1S in die Tasche gepackt. Und das war auch gut so. Fast alle Aufnahmen habe ich mit der kleinen X10 gemacht und mir diese genauer anschauen können.

Der Wenzelsplatz bei Sonnenschein: Fujifilm X10 in Prag Wenzelsplatz

Zum Glück besitzt die Fujifilm X10 einen optischen Sucher. In Prag schien bei sommerlichen Temperaturen schonungslos die Sonne. Mit dem blendenden Display auf der Rückseite war man hier doch eingeschränkt. Dem optischen Sucher der X10 werden zwar keine Lobeshymnen nachgesungen; zur Wahl des Bildausschnittes ist das helle optische Element aber als Alternative gut geeignet. Der Bildausschnitt beträgt ca. 85 Prozent. Also ist auf dem späteren Bild letztlich immer etwas mehr zu sehen. Entweder man plant dies bereits bei der Aufnahme ein, oder man lässt sich somit etwas Reserve zum späteren Beschneiden.

Mit 12MP ist die Qualität für viele Anwendungsfälle erst einmal ausreichend. Verwendet man dann den hardwareseitigen EXR-Modus, reduziert sich die Auflösung auf 6MP. Hier stehen kaum noch Pixel-Reserven für einen späteren Beschnitt zur Verfügung.

Ich habe mir die normalen 12MP und den EXR-Modus auf die Benutzereinstellungen C1 und C2 gelegt. Diese sind mit dem Drehradschalter auf der Oberseite der Kamera schnell erreichbar. Tagsüber habe ich meist mit den 12MP fotografiert. Bei wenig Licht habe ich dann auf EXR mit 6MP gewechselt.

Runter in die Metro mit der Rolltreppe: Fujifilm X10 in Prag - Runter in die Metro per Rolltreppe

Die Bildqualität ist bei EXR und 6MP noch überraschend hoch und besitzt im Low Light deutlich weniger Rauschen. Ich habe mehrere Berichte gelesen, wo Anwender aus Bequemlichkeit den EXR-Modus permanent nutzen.

Ich bin ein großer RAW-Anhänger und bearbeite gern meine Bilder. Dies habe ich auch bei den Bildern der Fujifilm X10 machen wollen und parallel JPEG und RAW aufgenommen. Bei der späteren Anwendung meiner Standard-Bildprofile und Bearbeitung der RAWs in Lightroom fiel mir aber auf, dass diese tendenziell mehr rauschten und auch mit Nachschärfen an Qualität gegenüber dem JPEG einbüssten. Dies ist mir bisher noch bei keiner Kamera vorgekommen. Grund hierfür sind nicht nur die sehr gute JPEG-Engine der Kamera. Auch andere Anwender berichten, dass fremde RAW-Konverter Ihre Probleme mit dem EXR-Sensor der kleinen Fujifilm haben.

Ich habe mich deshalb entschlossen, hier nur JPEGs zu zeigen, wie sie tonal aus der Kamera fielen. Ich habe sie in Lightroom nur ggf. begradigt und verkleinert. Und ja, ein Wasserzeichen kam auch noch rein. ;-)

Da ich ursprünglich die RAW-Bilder verwenden wollte, habe ich tagsüber mit den Filmsimulationen der Kamera herumgespielt. Aus diesem Grund sind einige der Bilder auch Schwarz/Weiß mit aktiviertem Gelbfilter. Die restlichen Bilder sind in der lebendigen VELIVA-Filmsimulation aufgenommen.

Die originalen Farben und auch die Schwarz/Weiß-Kontraste gefallen mir überraschend gut. Ich habe schon überlegt, eine Challenge "1 Monat ohne RAW" zu starten. ;-)

Musik auf der Karlsbrücke: Fujifilm X10 in Prag - Musik auf der Karlsbrücke

Fujifilm X10 in Prag

Fujifilm X10 in Prag

Meine Tochter fand den Panda "gruselig"; er beobachtete uns ;-) : Fujifilm X10 in Prag

Und wenn man nicht erkannt wird, darf man sich auch verspielen: Fujifilm X10 in Prag

Der Kopf von Franz-Kafka (also die Skulptur) wiegt 39 Tonnen!!! : Fujifilm X10 in Prag - Franz Kafka

Fujifilm X10 in Prag  - Franz Kafka

Wieder bunt: Fujifilm X10 in Prag - Wasserpflanzen auf Innenhof

Fujifilm X10 in Prag

Fujifilm X10 in Prag

Fujifilm X10 in Prag

Fujifilm X10 in Prag

Und habe ich nun etwas vermisst? Nicht wirklich!

Die Bilder der Fujifilm X10 sind meines Erachtens an Größe und Alter des Sensors gemessen sehr gut. Um den Hals gehängt war die kleine und kompakte Kamera am Wochenende als Reisekamera sehr gut geeignet. An die Bildqualität einer APS-C oder gar Vollformatkamera kommt sie nicht heran. Muss sie auch nicht. Ich habe keinen der vorwiegend asiatischen Touristen beneidet, die sich mit Ihren kiloschweren Kamera-Boliden abmühten.

Alle Bilder direkt als JPEG aufgenommen mit einer Fujifilm X10:

Kamerawahn

Die Verkaufszahlen von Harley-Davidson brechen ein. Manch Anhänger dieser Kultmarke erfüllte sich in der zweiten Lebenshälfte mit dem Kauf eines Motorrades seinen Jugendtraum. Genau diese Käuferschicht scheint Harley-Davidson aktuell aus unterschiedlichen Gründen wegzubrechen.

Ein wenig fühle ich mich wie einer dieser wenigen Verbliebenen. Zwar habe ich kein Interesse an einer Harley, doch erfülle auch ich mir gelegentlich den einen oder anderen Jugendtraum. Waren es vor einigen Jahren noch verschiedenste Homecomputer, so sind es heute Kameras. Dabei habe ich diese nie gesammelt. Nach genügend Spielerei mit dem begehrten Stück wird schnell auch wieder Platz gemacht und in der Regel verlustfrei verkauft.

Im Vergleich zur aktuellen Kamerawelt war der für mich relevante Homecomputermarkt noch überschaubar. Neben C64 habe ich so auch Kandidaten wie den VC20, C16 oder C128 aus dem Hause Commodore neben Amstrads, Amigas, Apple und Ataris testen können. Böse Zungen behaupten, die guten Computermarken fangen mit einem „A“ an. Dem muss ich als Commodore-Fan widersprechen. ;-)

Meine Kamera-Chronik ist bereits lang. In letzter Zeit kamen aber einige Kameras hinzu, mit denen ich mich mehr oder weniger intensiv beschäftigt habe. Manchmal nur ein paar Tage, manchmal Monate. Letztlich sind es aber immer nur wenige Geräte, die ich zeitgleich besitze. Und im Gegensatz zu Harley ist dies auch finanziell eine überschaubare Sache. Zumindest bei mir, da ich mich eher für Digitalkameras abseits der aktuellen Serie interessiere. Immer schnellere Kamerazyklen lassen die Preise für gute Gebrauchtgeräte purzeln.

Die "Kompakten" unter sich: Kamerawahn Fujifilm Fuji X10 X30 X100 Sigma DP1S Olympus PEN E-P1

Man sagt, Kamerasammler seien keine guten Fotografen. Ich muss dem zustimmen. Man sollte sein Werkzeug schon gut kennen, um es richtig anzuwenden. Im besten Fall bedient man es blind. Dies funktioniert nur, wenn man es oft oder über einen längeren Zeitpunkt verwendet.

Trotzdem kann ich diesem „Spieltrieb“ auch etwas fotografisch Positives abgewinnen. Auf der einen Seite hat man mit einer neuen Kamera wieder einen guten Grund, fotografieren zu gehen. Auf der anderen Seite lernt man mit den Besonderheiten der jeweiligen Geräte auch immer etwas hinzu. Hat eine Kamera keinen eingebauten Blitz und man möchte einen externen Blitz verwenden, fängt man beispielsweise an, sich mit neuen Themen wie Blitzsynchronzeiten zu beschäftigen.

Also bitte nicht wundern, wenn in der Linsen-Suppe gelegentlich ein weiterer Kamera-Klassiker schwimmt und später nicht weiter erwähnt wird. Da wollte jemand nur mal spielen. ;-)