Doppelt hält besser

12.06.2017

"Mach es zu Deinem Projekt!" ist der Werbespruch eines Baumarktes. Auch in der Fotowelt gibt es interessante Projekte, die zeitlich befristet oder fest im Umfang definiert, zu verfolgen sind. So läuft beispielsweise das Kuhjahr von Jörg Langer. Ein Jahr lang stellt er jeden Tag ein Foto aus der Leica Q online. Auch Gabi Heinrich und Hartmut Gräfenhahn bewiesen mit ihrem Projekt 2x365hipstamaticdays Durchhaltevermögen.

Während ich solche Umsetzungen gern verfolge, stehe ich diesen oft langfristigen Aufgaben als eigene Aufgabe sehr skeptisch gegenüber. Zu schnell kann aus Freude am Fotografieren Frust am Zwang werden.

Als mich Hartmut Gräfenhahn vor einigen Tagen auf ein neues Projekt ansprach, war ich jedoch sofort begeistert. Das Thema lautet "analoge Doppelbelichtung".

Wir haben vor, analoge Filme doppelt zu belichten. Das heißt, wir werden zwei Bilder bei reduzierter Belichtung auf einem Stück Filmmaterial machen.

Bewusste Doppelbelichtungen werden von einigen Fotografen als kreatives Stilelement verwendet. Dabei gestaltet der Fotograf die Motive seiner Doppelbelichtung sehr bewusst.

Wir werden jedoch unabhängig und fern voneinander fotografieren. Unsere Filme werden wir vor der zweiten Belichtung miteinander tauschen. Somit bekommt das Ganze ein Zufallselement. Wir wissen nicht, welche Motive unser Fotopartner bereits auf Film gebannt hat. Damit es zu keinen Überbelichtungen kommt, reduzieren wir die Belichtung jeweils auf die Hälfte.

Das Projekt "Doppelbelichtung" (vielleicht bekommt das Kind auch noch einen richtigen Namen) hat begonnen. Wir werden nach Abschluss darüber berichten.

Im Vorfeld haben wir, um etwas Gefühl für die Sache zu entwickeln, einen digitalen Test durchgeführt. Dazu haben wir unabhängig voneinander jeweils 10 unterschiedliche Bilder mit einer festen Nummerierung aufgenommen und diese zeitgleich ausgetauscht. Das Ergebnis des Zusammenspiels haben wir digital (mit der Bildbearbeitungssoftware GIMP) zusammengeführt. Sehr interssant war hierbei die Erkenntnis, dass die beiden Bilder nicht einfach übereinanderlegt werden dürfen. Bei einer analogen Doppelbelichtung vermischen sich die beiden Bilder auch nicht einfach. Vielmehr addieren sich die jeweiligen Bilder zu einem Ganzen. Hierzu leistet der Ebenenmodus "Addieren" nach Reduzierung der Helligkeit beider Bilder auf je 50 Prozent gute Arbeit.

Bereits im Probelauf entstanden so interessante Bilder (das Ergebnis jeweils noch bearbeitet):




Der digitale Probedurchgang hat großen Spaß gemacht und wertvolle Hinweise für die Gestaltung des analogen Echtlaufes gegeben. Wir sind sehr gespannt, wie sich die analogen Ergebnisse von ihrem digitalen Vorläufer unterscheiden.

Wie gefallen Euch die digitalen "Mischlinge"? Habt Ihr bereits ein ähnliches Projekt erfolgreich durchgeführt? Wir freuen uns auf einen Kommentar.

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Analog - Rollei XF35

02.06.2017

Am Ende kam es dann doch, wie es kommen musste.

Doch beginnen wir am Anfang: Es ist schon einige Zeit her, da bekam ich eine Fuji X-Pro 1 in die Hände. An der Kamera werkelte zunächst das Kit-Objektiv XF18-50 f2.8-4. Wie außerordentlich gut dieses Zoom abbildet, stellte ich erst später fest. Zunächst machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Festbrennweite. Als geeigneter Kandidat sollte sich das XF35 f 1.4 herausstellen. Bei der Recherche nach einem bezahlbaren Exemplar stieß ich immer wieder auf eine Kamera mit gleicher Bezeichnung; einer "Rollei XF35". Dieser kleine Apparat sprach mich optisch durchaus an. Im Gegensatz zu Modellen der Rollei-35-Familie ist diese günstigste Ausführung sehr einfach gehalten. Doch gerade diese optische und bedienungsfreundliche Schlichtheit gefiel mir sehr. Zum damaligen Zeitpunkt war analoge Fotografie allerdings noch kein Thema für mich. Nach dem Kauf des Fuji-Objektives kam der Suchbegriff "XF35" nicht wieder zum Einsatz. Die Kamera ging mir aus dem Sinn.

Mit dem "Experiment Film" fiel mir diese Kamera, die mich durchaus an eine edle Leica M erinnert, wieder ein. Die Gemeinsamkeit zur Leica bezieht sich größtenteils auf die Position und Existenz eines Messsuchers. Ansonsten kann und will die Rollei XF35 nicht mit einer Leica M mithalten. Doch man unterschätzt das kleine kantige Gerät. In der schwarzen Kamera werkelt ein Zeiss-Objektiv "Sonnar". Dieses Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f2.3 und einer Festbrennweite von 40mm ist auch in höhenwertigeren Modellen verbaut.

Für ca. 30 EUR erworben, trat die Kamera als letzter Vertreter in die Reihe "4 Filme - 4 Kameras".


Zugegeben; bei den ersten drei Filmen der Spiegelreflex-Kandidaten wurde ich positiv überrascht. Mit wenig Ausschuss entstanden schöne Aufnahmen und (dem Fujicolor C200 sei Dank) kräftige Farben. Lag der Fokus bei einzelnen Aufnahmen nur gelegentlich daneben, gab es mit dem manuellen Scharfstellen grundsätzlich kein Problem.

Auch an der Rollei XF35 wird von Hand fokussiert. Das manuelle Scharfstellen geschieht hier über einen Messsucher. Dies ist ungewohnt. Auf der anderen Seite besitzt die Kamera eine Belichtungsautomatik. Somit kann man sich auf die Drehung am Objektivring konzentrieren. Die XF35 kümmert sich um die richtige Belichtungszeit und Blende.

Während ich in der Anwendung des Messsucher-Verfahrens keine riesige Hürde sah, bereitete mir ein anderer Punkt größere Bauchschmerzen. An den Spiegelreflex-Kameras konnte man die unterschiedlichen Belichtungszeiten bereits akustisch unterscheiden. Die Rollei XF35 produzierte bei jeglicher Belichtungszeit ein konstantes Geräusch. Aus diesem Grund spendierte ich der Kamera eine neue Batterie für die Belichtungsautomatik. Diese ist keine gewöhnliche Zelle. In der Kamera kommt eine Batterie mit 1,35 Volt zum Einsatz (siehe PX 625). Doch auch nach dem Austausch der Batterie änderte sich am Auslösegeräusch nichts. "Vielleicht ist dies ja auch normal?"; beruhigte ich mich. Immerhin fehlt in der Kamera ein klappender Spiegel, der für ein markantes Auslösegeräusch in einer Spiegelreflexkamera verantwortlich ist.

Ich ging die Aufnahmen mit dem letzten Film skeptisch an.

Meine Skepsis war nicht ohne Grund. Der entwickelte Film brachte Ernüchterung. Fast alle Aufnahmen sind nicht zu gebrauchen.

Dies liegt erstaunlicherweise nicht an einer fehlerhaften Belichtung. Diese funktionierte überraschend gut. Das Problem liegt in der fehlenden Schärfe. Fast alle Bilder sind extrem unscharf.


Einzelne Bilder sind jedoch in Ordnung. Hier sitzt der Fokus. Es fällt auf, dass nur nahe Objekte scharf abgebildet werden konnten. Wahrscheinlich arbeitet die aufwendige Messsucher-Technik fehlerhaft. Während man im Sucher den korrekten Abstand ermittelt und einstellt, wird dieser scheinbar nicht synchron auf die Linse übertragen. Zwar besitze ich keine großen Messsuchererfahrungen; ein paar scharfe "Zufallsbilder" im Unendlichkeitsbereich hätte ich mir aber zugetraut. Aus diesem Grund gehe ich fest von einem technischen Problem aus.

Und genau dieses Problem bestätigt meine Skepsis gegenüber Messsucher-Kameras. Mit gut abgestimmten Objektiven kann eine Messsucherkamera wie die Leica M, egal ob digital oder analog, mit Sicherheit grandiose Aufnahmen machen. Auf der Seite von Claus Sassenberg kann man sich davon überzeugen. Arbeiten Linse und Sucher bei einer Messsucherkamera jedoch nicht perfekt zusammen, kommt es zu sichtbaren Problemen.

Nur wenige Bilder der Rollei sind scharf:



Meist sah es so aus:


Die Rollei XF35 hat mir nur wenige brauchbare Bilder beschert. Doch lehrt sie mich, dass eine Vorausschau durchaus Vorteile bietet. Sei es nun die digitale Vorschau auf dem Display oder dem elektronischen Sucher einer Digitalkamera, oder dem Blick durch den Spiegel einer Spiegelreflexkamera. Zumindest einer Messsucherkamera hat mich dieses Projekt nicht näher gebracht.

In einem kommenden Beitrag werde ich meine frischen Analog-Erfahrungen noch einmal zusammenfassen.

Aufgenommen mit Rollei XF35 und Fujicolor C200:

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Bergzoo Halle

27.05.2017

Der Bergzoo Halle trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Bei der Besichtigung dieser Einrichtung geht es bergauf und bergab. Die Gehege und Tierhäuser sind dabei interessant in die örtliche Hügelwelt eingebettet.

Ich bin kein Anhänger von Superzooms und großen Brennweiten. Wenn ich allerdings einmal das Teleobjektiv einpacke; dann im Tierpark. Hier kommt man den Tieren (auf den Bildern) mit einem Zoom noch einmal näher, ohne diese zu verschrecken.

Im Einsatz war die Nikon 1V1 mit dem Nikkor 10-100 4.0-5.6 VR. Folgende Bilder fielen ohne weitere Bearbeitung aus der Kamera.







Aufgenommen mit:

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Analog - Pentax ProgramA

23.05.2017

Ein kleines Wunder ist geschehen. Der dritte Film meiner kleinen Reihe "4 Filme - 4 Kameras" ist aufgetaucht.

Bei einem Diebstahl in der lokalen Rossmann-Filiale wurde der Wareneingang auf "Wertvolles untersucht". Mein Film war dies für die Einbrecher scheinbar nicht. Er wurde zwar durchwühlt, blieb zum Glück aber am "Tatort" liegen. Dafür eignete sich die beiliegende Foto-CD gut für die Abnahme von Fingerabdrücken. Die Polizei nahm sich deshalb auch meines Auftrages an. Dadurch verzögerte sich die Rückgabe meiner Fotobestellung.

Lange Rede - kurzer Sinn: Die Bilder der dritten Kamera sind da. Als kleine Entschädigung für die Aufregung gab's diese übrigens gratis.

Es wäre schade gewesen, auf die Bilder einer weiteren Pentax-Kamera verzichten zu müssen. Nachdem mir das geliehene Pentax-Objektiv 50mm/f1.4 an der Pentax MX so gut gefiel, hatte ich mich auf die Suche nach einem eigenen Exemplar gemacht. Im großen Auktionshaus wurde ich fündig. Zum fairen Preis kaufte ich ein gut erhaltenes Exemplar samt "dranhängender" Kamera - einer schwarzen Pentax ProgramA (hier im Bild mit meinem 28mm-Sigma-Objektiv).


Die Pentax ProgramA kam 1984 auf den Markt. Obwohl das Gehäuse sehr der Pentax MX ähnelt, gibt es einen gravierenden Unterschied: die Kamera besitzt eine Belichtungsautomatik. Also einfach Blende vorgeben und loslegen ... ProgramA ... der Name ist Programm.

Erste Aufnahmen entstanden zunächst auf lokalen Fahrradtouren. In Wolfsburg, dort hatte ich glücklicherweise die Fototasche eingepackt, kamen weitere Bilder hinzu.




Entweder ging das Fokussieren mit dem eigenen 50mm-Objektiv dank Übung nun besser von der Hand, oder das "neue alte Objektiv" ist sogar einen Tick schärfer als das Exemplar von Christian. Dessen Leihobjektiv ist zwischenzeitlich gut erhalten wieder bei ihm angekommen.

Der Fujifilm erzeugte wieder einmal knallige Farben. Ich mag dies sehr. Somit passt er gut zur digitalen und farbenfrohen Wolfsburg-Bilder-Reihe der Nikon.













Gern hätte ich mit der Pentax noch weitere Fotos aufgenommen. Mein zunächst vierter und letzter Film war jedoch für die letzte Kamera dieser kleinen Reihe reserviert. Auch dieser Film ist bereits voll und zur Entwicklung abgegeben. Ich werde berichten, wenn ich den Film zurückbekomme ...

Aufgenommen mit Pentax ProgramA und Fujicolor C200:

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iPhone RAW

21.05.2017

Für die spätere Nachbearbeitung von Fotos eignen sich RAW-Bilder besonders gut.

Will man darauf nicht verzeichten, fallen "einfache Kameras" oft als potenzieller Bildlieferant aus. Wider Erwarten liefern einige der aktuellen Smartphones das beliebte Bildformat. In meinem Fall kann man einem iPhone mit einer alternativen Foto-App ein DNG-File (besonders kompatibles RAW-Format) entlocken.

Auch bei diesen winzigen Sensoren werden überraschend viele Details sichtbar, wenn man (hier zugegeben etwas übertrieben) am Kontrast und der Klarheit dreht.


Aufgenommen mit iPhone SE :

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