Analog - Rollei XF35

02.06.2017

Am Ende kam es dann doch, wie es kommen musste.

Doch beginnen wir am Anfang: Es ist schon einige Zeit her, da bekam ich eine Fuji X-Pro 1 in die Hände. An der Kamera werkelte zunächst das Kit-Objektiv XF18-50 f2.8-4. Wie außerordentlich gut dieses Zoom abbildet, stellte ich erst später fest. Zunächst machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Festbrennweite. Als geeigneter Kandidat sollte sich das XF35 f 1.4 herausstellen. Bei der Recherche nach einem bezahlbaren Exemplar stieß ich immer wieder auf eine Kamera mit gleicher Bezeichnung; einer "Rollei XF35". Dieser kleine Apparat sprach mich optisch durchaus an. Im Gegensatz zu Modellen der Rollei-35-Familie ist diese günstigste Ausführung sehr einfach gehalten. Doch gerade diese optische und bedienungsfreundliche Schlichtheit gefiel mir sehr. Zum damaligen Zeitpunkt war analoge Fotografie allerdings noch kein Thema für mich. Nach dem Kauf des Fuji-Objektives kam der Suchbegriff "XF35" nicht wieder zum Einsatz. Die Kamera ging mir aus dem Sinn.

Mit dem "Experiment Film" fiel mir diese Kamera, die mich durchaus an eine edle Leica M erinnert, wieder ein. Die Gemeinsamkeit zur Leica bezieht sich größtenteils auf die Position und Existenz eines Messsuchers. Ansonsten kann und will die Rollei XF35 nicht mit einer Leica M mithalten. Doch man unterschätzt das kleine kantige Gerät. In der schwarzen Kamera werkelt ein Zeiss-Objektiv "Sonnar". Dieses Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f2.3 und einer Festbrennweite von 40mm ist auch in höhenwertigeren Modellen verbaut.

Für ca. 30 EUR erworben, trat die Kamera als letzter Vertreter in die Reihe "4 Filme - 4 Kameras".


Zugegeben; bei den ersten drei Filmen der Spiegelreflex-Kandidaten wurde ich positiv überrascht. Mit wenig Ausschuss entstanden schöne Aufnahmen und (dem Fujicolor C200 sei Dank) kräftige Farben. Lag der Fokus bei einzelnen Aufnahmen nur gelegentlich daneben, gab es mit dem manuellen Scharfstellen grundsätzlich kein Problem.

Auch an der Rollei XF35 wird von Hand fokussiert. Das manuelle Scharfstellen geschieht hier über einen Messsucher. Dies ist ungewohnt. Auf der anderen Seite besitzt die Kamera eine Belichtungsautomatik. Somit kann man sich auf die Drehung am Objektivring konzentrieren. Die XF35 kümmert sich um die richtige Belichtungszeit und Blende.

Während ich in der Anwendung des Messsucher-Verfahrens keine riesige Hürde sah, bereitete mir ein anderer Punkt größere Bauchschmerzen. An den Spiegelreflex-Kameras konnte man die unterschiedlichen Belichtungszeiten bereits akustisch unterscheiden. Die Rollei XF35 produzierte bei jeglicher Belichtungszeit ein konstantes Geräusch. Aus diesem Grund spendierte ich der Kamera eine neue Batterie für die Belichtungsautomatik. Diese ist keine gewöhnliche Zelle. In der Kamera kommt eine Batterie mit 1,35 Volt zum Einsatz (siehe PX 625). Doch auch nach dem Austausch der Batterie änderte sich am Auslösegeräusch nichts. "Vielleicht ist dies ja auch normal?"; beruhigte ich mich. Immerhin fehlt in der Kamera ein klappender Spiegel, der für ein markantes Auslösegeräusch in einer Spiegelreflexkamera verantwortlich ist.

Ich ging die Aufnahmen mit dem letzten Film skeptisch an.

Meine Skepsis war nicht ohne Grund. Der entwickelte Film brachte Ernüchterung. Fast alle Aufnahmen sind nicht zu gebrauchen.

Dies liegt erstaunlicherweise nicht an einer fehlerhaften Belichtung. Diese funktionierte überraschend gut. Das Problem liegt in der fehlenden Schärfe. Fast alle Bilder sind extrem unscharf.


Einzelne Bilder sind jedoch in Ordnung. Hier sitzt der Fokus. Es fällt auf, dass nur nahe Objekte scharf abgebildet werden konnten. Wahrscheinlich arbeitet die aufwendige Messsucher-Technik fehlerhaft. Während man im Sucher den korrekten Abstand ermittelt und einstellt, wird dieser scheinbar nicht synchron auf die Linse übertragen. Zwar besitze ich keine großen Messsuchererfahrungen; ein paar scharfe "Zufallsbilder" im Unendlichkeitsbereich hätte ich mir aber zugetraut. Aus diesem Grund gehe ich fest von einem technischen Problem aus.

Und genau dieses Problem bestätigt meine Skepsis gegenüber Messsucher-Kameras. Mit gut abgestimmten Objektiven kann eine Messsucherkamera wie die Leica M, egal ob digital oder analog, mit Sicherheit grandiose Aufnahmen machen. Auf der Seite von Claus Sassenberg kann man sich davon überzeugen. Arbeiten Linse und Sucher bei einer Messsucherkamera jedoch nicht perfekt zusammen, kommt es zu sichtbaren Problemen.

Nur wenige Bilder der Rollei sind scharf:



Meist sah es so aus:


Die Rollei XF35 hat mir nur wenige brauchbare Bilder beschert. Doch lehrt sie mich, dass eine Vorausschau durchaus Vorteile bietet. Sei es nun die digitale Vorschau auf dem Display oder dem elektronischen Sucher einer Digitalkamera, oder dem Blick durch den Spiegel einer Spiegelreflexkamera. Zumindest einer Messsucherkamera hat mich dieses Projekt nicht näher gebracht.

In einem kommenden Beitrag werde ich meine frischen Analog-Erfahrungen noch einmal zusammenfassen.

Aufgenommen mit Rollei XF35 und Fujicolor C200:

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